Danke Frau Schwesig!

 

Pünktlich zum neuen Jahr kommen auch wieder Gesetzesänderungen. Man darf länger parken oder Staubsauger dürfen nicht mehr so laut sein; die Renten werden erhöht oder waren es die Krankenkassenbeiträge? Man darf dies nicht mehr oder muss das jetzt beachten. Auf jeden Fall ändert sich was.

 

So auch für 2017. Und einiges davon betrifft auch die vielen Alleinerziehenden. Oder sagen wir in erster Linie Familien. Oh ja, da gibt es einen Unterschied. Nicht alles, was für Familien ist, ist gleichzeitig auch für Alleinerziehende. So modern die Regierung auch sein will, am Ende verfällt sie doch in alte Klischees.

 

Bislang gab es zum Beispiel den Unterhaltsvorschuss. Den kann jede/r Alleinerziehende/r beantragen, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil seiner Verpflichtung nicht nachkommt. Leider läuft diese Mogelpackung insgesamt nur 72 Monate, das sind gerade mal sechs Jahre. Ab dann entfällt er ERSATZLOS.

 

Keine Ahnung warum.

 

Vielleicht, weil sich der unterhaltssäumige Elternteil dann seiner Verpflichtung entsinnt? Oder das Kind ab dann praktisch keinerlei Kosten mehr verursacht? Oder weil die Mütter oder Väter ab dann wieder Vollzeit arbeiten gehen können? Schließlich ist die Betreuung durch die Eltern ja auch nicht wichtig. Viel besser ist es doch, ein Kind fremdbetreuen zu lassen. Am besten schon von Kleinauf, damit es sich daran gewöhnt. Gern wird das umschrieben mit "soziale Kontakte knüpfen". Kicher. Als ob kleine Kinder, gern unter drei Jahren, schon Kontakte knüpfen würden. Sie würden eher gern eine enge Bindung zu ihren Eltern aufbauen, aber wir leben in Zeiten, in denen Fremdbetreuung wichtiger ist, als die Betreuung durch die eigene Mutter oder den Vater. Deshalb wird auch alles dafür getan, dass  die Kitas ausgebaut werden und wirklich jedes Kind dort untergebracht werden kann.

 

Nach 72 Monaten nun also läuft dieser Unterhaltsvorschuss aus. Man sagt, er wird gewährt, bis zum 12. Lebensjahr. Kicher. Und schon denken alle Leute, oh, das ist aber lange. Dabei sind 72 Monate doch keine 12 Jahre. Es heisst auch nur, dass diese besagten 72 Monate sich innerhalb dieser 12 Jahre verteilen können, immer dann, wenn kein Unterhalt gezahlt wird, kann man diesen Vorschuss beantragen.

 

Und da kommt das nächste Problem: die Person, die das Kind betreut, kann den Vorschuss beantragen. Logisch wäre doch, dass derjenige, der den Unterhalt nicht leisten kann, den Vorschuss beantragen muss. Denn die Behörden müssen das Geld ja auch von demjenigen, der ihn SCHULDET zurückfordern, nicht von dem, der ihn erhält.

 

Und wenn das so wäre, dann hätten die säumigen Schuldner gleich noch ein bisschen mehr Arbeit mit Ausfüllen und Beantragen und sich erklären, warum sie nicht zahlen können, schließlich handelt es sich nicht um einen Kredit für ein Auto oder für Beiträge an den Fußballverein, sondern um Geld, das dem eigenen Kind zugute kommt. Auch wenn das in den Köpfen vieler Unterhaltsschuldner nicht ankommt. Das Geld wird für das Kind verwendet. Nicht als Taschengeld, sondern für so banales wie MIETE, HEIZUNG; KLEIDUNG, WÄSCHE, ESSEN, TRINKEN, SCHUHE, SCHULSACHEN, etc.

Und weil das den säumigen Schuldnern aber sowas von am Arsch vorbeigeht, stellen sie sich blind und blöd und taub und reagieren schon mal gar nicht.

Deshalb müssen auch diejenigen, die das Geld bekommen, sich an die Ämter wenden und Anträge ausfüllen und erklären, was sie schon alles getan haben, damit der Schuldner/die Schuldnerin endlich zahlt, auch wenn nichts passiert.

Und sie haben die Lauferei und die Kosten für Kopien und Briefmarken und müssen Geduld aufbringen, weil die Ämter auch nicht die schnellsten sind.

Und wenn man dann mal fragt, was die Ämter denn tun, damit das Geld vom Schuldner auch wieder beigetrieben wird, dann kommt ein "wir haben hier so viele Fälle, das schaffen wir gar nicht, das Geld zurückzufordern". AHA.

Und letztendlich räumen sie den Schuldnern auch viele Möglichkeiten ein, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Ganz einfach ist zum Beispiel, zu heiraten, dem Ehepartner mittels eines Ehevertrages aus der Verantwortung (und Auskunftspflicht) zu ziehen und dann alles Geld dem Ehepartner zu geben und selbst zu sagen: Tja, ich habe leider gar nichts. Und weil scheinbar niemand auf die Idee kommt sich mal Gedanken zu machen, wie man denn von "überhaupt nichts" eigentlich leben kann, zuckt das Amt wieder mit den Schultern und sagt: da ist nichts zu holen.

Ausserdem, ist ja egal, dafür gibt es ja den Unterhaltsvorschuss.

Und auch die Version, dass der Schuldner (oder die Schuldnerin) von Kollegen, Vermietern und Freunden gedeckt wird, so dass der Schuldner (oder die Schuldnerin) schwarz arbeiten kann oder Einnahmen schlichtweg verschwiegen werden. Kicher. Ist doch ne tolle Idee, oder?

Leider vergessen diese wohlmeinenden Leute dann, dass sie damit selbst die Kosten für den Schuldner /die Schuldnerin übernehmen, denn der Vorschuss wird vom Staat - und das sind ja wohl wir alle - übernommen.

Also unterstützt jeder, der so einen Menschen deckt, auch gleichzeitig Kinderarmut und die erhöhten Kosten der Länder, weil so der Schuldner oder die Schuldnerin nichts bezahlen muss. Und nichts bezahlen wird. Und nichts bezahlen will und sich daran auch nichts ändern wird.

 

Weil sich das Thema Kinderarmut aber irgendwie doch durchgesetzt hat und zudem viele Alleinerziehende zusätzliche Leistungen vom Staat in Anspruch nehmen mussten, weil Armut plötzlich doch ein Thema geworden ist und man auch gerade in Anbetracht der Tatsache, dass der Staat doch noch über geheimes Vermögen verfügt, was er bereitwillig verteilt, kam die Idee auf, dass man den Unterhaltsvorschuss doch - sagen wir mal - bis zum 18. Lebensjahr des Kindes auszahlen KÖNNTE. Das wäre doch mal ein Ding! Schlankerhand wäre damit den vielen Alleinerziehenden geholfen. Zumindest wäre damit der Unterhalt für längere Zeit sicher.

Und so kam die Familienministerin Frau Schwesig auf die Idee, dass doch mal vorzuschlagen. Nachdem es mittlerweile schon genügend Anfragen und Petitionen zu eben diesem Thema gegeben hatte. Macht sich ja auch immer gut in so einem Wahljahr.

Und gerade, als man dachte, yo, ab dem 01.01.2017 hat man es durch, da.... ja was war eigentlich? Die Länder und der Bund konnten sich nicht so richtig einigen, wer die Kacke jetzt finanzieren soll. Ach Mensch, das Geld kann man doch für so viele schöne Dinge ausgeben. Aber nicht doch für die Kinder. Nee, also echt jetzt.

Und damit das nicht so scheisse rüberkommt, haben sie beschlossen, dass sie dafür den FAMILIEN alternativ etwas gutes tun.

Also FAMILIEN. Gern Eltern, die berufstätig sind, zwei Verdiener im Haus. Oder zumindest ein Verdiener.

Und so haben sie den Kindergeldzuschlag angehoben UND den Kinderfreibetrag erhöht UND - Leute, haltet euch fest - das KINDERGELD um ganze 2 Euro (!!!!) pro Kind erhöht.

Wahnsinn.

Zwei Euro.

Das sind praktisch zwei Burger von McDonalds mehr im Monat.

Oder vier Flaschen Billigsprudel vom Lidl.

Ein Packung billige Buntstifte vom Aldi.

Zwei Packungen Kaugummi.

Schätzungsweise 10 Windeln.

Oder zwei Kugeln Eis.

Oder wenn man das zwanzig Monate lang spart, dann kann man davon ein Paar günstige Kinderschuhe kaufen!!

Oder wenn man das 100 Monate spart, dann hat man den Unterhaltsvorschuss für einen Monat für ein Kind ab 6 Jahre!!

Wahnsinn!

Da hat die Regierung auf einen Schlag aber ne Menge Leute glücklich gemacht.

Und die Sache mit dem Unterhaltsvorschuss haben sie so ganz elegant vom Tisch gefegt.

2 Euro.

Diese Füchse.

 

Tja, liebe Frau Schwesig. Für eine Frau sind sie ganz schön grenzwertig. So einen Schwachsinn schiebt man doch sonst immer nur den Männern in der Politik zu. Da denkt man, okay, die können nicht anders. Die wollen lieber Geld ausgeben für Panzer und schöne Gebäude, für Abgeordnete und für noch mehr Autobahnen. Aber bei den Frauen denkt man komischerweise immer, dass die doch bestimmt ein Herz für Kinder haben. Ein soziales Gewissen. Oder Verstand im Kopf. Aber nein, falsch gedacht.

 

Deshalb liebe Leser, googelt mal nach den Petitionen, die den Unterhaltvorschuss betreffen. Und gebt eure Stimme ab. Zum Einen, weil es EUCH alle auch betreffen kann und dann seid ihr DANKBAR, wenn ihr finanzielle Hilfen bekommt und wie leicht kommt man in diese Lage!, zum Anderen erhöht die Erhöhung des UHV nicht nur das Geld für die AEs, sondern gleichzeitig auch den DRUCK auf die säumigen Väter.

Denn wenn die Regierung mehr Geld rausrückt dafür, wird sie sich auch deutlich mehr anstrengen, das Geld zurückzufordern. Man könnte sich da vieles ausdenken, die Sache mit dem Führerscheinentzug war ja schon mal eine nette Idee. Auch wenn es einen Aufschrei gegeben hat, von wegen "dann verliert man am Ende den Job ohne Führerschein". Kicher. Es geht doch darum, dass es ANGEDROHT wird - der Schuldner/die Schuldnerin hat doch die Chance, das Unheil abzuwenden, durch ZAHLUNG des Unterhalts. Clever, oder? Damit liegt es doch an jedem selbst, den Führerschein zu behalten.

Alternativ könnte man nochmals über eine andere Strafe nachdenken. Ideen gibt es sicherlich viele.