Über den Verband alleinerziehender Mütter und Väter eV (VAMV) gab es eine Anfrage von RTL Punkt12 zum Thema "Diskriminierung von AEs". Ich bekam die Möglichkeit zu diesem Thema zu berichten.

So kam dann eines schönen Tages ein sehr nettes und humorvolles Team von RTL Nord zu uns nach Hause und filmte den Beitrag zurecht. Die Fragen waren schon sehr konkret, ein Ausweichen auf andere Themen nicht möglich, da nicht gefragt. RTL Punkt12 hat den Beitrag auch gesendet, wenngleich stark verkürzt und so, dass nur EIN Aspekt des Themas angesprochen wurde. Nämlich der, dass Frauen gesellschaftlich isoliert sind.

Natürlich ist klar, dass es nicht das einzige Problem ist, welches uns AEs beschäftigt, wenn wir an Diskriminierung denken. Das geht doch schon los am Arbeitsplatz, wenn man als Singlemom abgelehnt wird, weil: wenn die Kinder krank sind oder Ferien haben, wie regeln Sie das? Das geht doch gar nicht. Und schon ist man "raus". Warum sind wohl so viele AEs heutzutage Tagesmütter? Oder quälen sich in lausigen 450 Euro Jobs, wenn überhaupt? Obwohl sie von der Qualifikation her weitaus mehr leisten können und auch wollen? Warum gibt es kein Umdenken bei den Arbeitgebern? Ich sage es mal so, eine Singlemom, die allein für alles verantwortlich ist, die hat zu ihren beruflichen Qualitäten noch eine hohe Flexibilität, ist sturmerprobt und behält selbst in schwierigen Situationen ihren Kopf. Alles erlernt durch den täglichen Ablauf zu Hause. Außerdem hängt sie sehr am Job, muss sie davon doch sich und die Familie versorgen.

Um es diesen Frauen leichter zu machen, wäre ein Umdenken auf dem Arbeitsmarkt von Vorteil. Wenn gerade größere (aber auch kleinere) Unternehmen Firmeneigene Kinderbetreuungen einrichten würden, dann wäre das mehr als entlastend für die Mütter. Für ALLE Eltern wohlgemerkt. Wenn es überhaupt mehr Möglichkeiten des Homeoffice oder Familienfreundlichen Arbeitszeiten geben würde, dann könnten diese Mütter viel früher und besser integriert werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich als TZ-Verkäuferin beworben habe, einfach, um einen Job im Angestelltenverhältnis zu haben. Liegt schon ein paar Tage zurück, wird aber wohl heute nicht anders sein. Das Unternehmen verkauft Kleidung, vorwiegend an Kinder bis Teeniealter und an Mütter, zeigt sich nach außen hin immer sehr familienfreundlich. Das ändert sich jedoch hinter den Kulissen. Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, man muss sich verpflichten in andere Filialen zu springen, wenn dort jemand ausfällt. Sprich: spontan längere Anfahrtswege, aber auch spontane Arbeitseinsätze zu spontanen Uhrzeiten. Gern Wechselschicht (nachmittags, abends oder am Wochenende) und nach Dienstschluss Räumen und neu dekorieren. Manchmal Sonntagsarbeit. Klingt wie in der Gastronomie. Ist ja auch alles okay, wenn man das vorher weiß. Nur in der Ausschreibung las sich das alles viel familienfreundlicher. Wie soll ich als AE diese wechselnden Arbeitszeiten mit Springertätigkeit schaffen? Meine Kinder müssten per Handy und Haustürschlüssel genau wie ich spontan sein. Und das bei keineswegs guter Bezahlung. Und das soll Familienpolitik sein? So geht man mit Müttern um? "Zeig mal was Du kannst und wenn Du das schaffst, dann lege ich Dir noch mehr Steine in den Weg und wenn Du dann kapitulierst, dann ist ja klar, die AEs kann man nicht gebrauchen". Schöne Einstellung.

Zurück in meinen alten Job war übrigens nicht möglich. Schon während der Schwangerschaft, und da war ich ja noch in geregelten Verhältnissen, wurde ich schlankerhand durch einen Mann ohne Gebärmutter ersetzt.

Und DAS ist nur ein Aspekt.

 

Diskriminierung auch bei der Wohnungssuche. Oder als Mieterin. Die Hemmschwelle der Leute sinkt sehr schnell, wenn man ohne Partner, aber mit Kindern irgendwo wohnt. Zeigen sie sich vor dem Einzug noch als extrem tolerant, ändert sich das, wenn man gerade eingezogen ist. Jedes Auto, dass falsch parkt, gehört zur Singlemom. Jeder falsch getrennte Müll wird ihr angelastet. Ist es irgendwo laut, dann war sie das oder ihre Kinder, ist ja klar. Draußen fehlt ein Blatt am Baum - na, wer solls schon gewesen sein?! Da wird weder mit Gerüchten gespart, noch mit Anfeindungen. Besonders weibliche Nachbarn, die sich sicher in ihrer Beziehung wähnen, können da extrem zickig werden. Es scheint sehr stark zu machen, wenn man einen Mann im Rücken hat.

Wohingegen Männer, und das nicht, weil sie dem weiblichen Geschlecht zugetan sind, viel toleranter und entspannter sind. Männer haben wenig Zeit sich Gedanken für üble Nachrede und dergleichen zu machen. Einen alleinstehenden Mann würden Frauen auch eher positiv behandeln, als ihm zusätzlich das Leben schwer zu machen. Ja, die Erfahrung zeigt, Frauen sind schon sehr zickig und neidisch.

 

Und dann das letzte Problem: die gesellschaftliche Ausgrenzung. Ja, wir Menschen sind sehr tolerant - es muss nur weit genug weg sein. Wir sind offen für Schwule und gleichgeschlechtliche Ehen, aber bitte nicht als Nachbarn. Wir sind gern im Ausland, aber Ausländer bitte nicht hier und dann gern alle in einen Topf werfen. Wir schimpfen auf Politiker, aber wenn sich einer zeigt, dann bitte gern ein Selfie. Wir spenden wahnsinnig gern, für Brot für die Welt, ein Herz für Kinder und Schweine im Weltall. Aber wenn der Nachbar seinen Strom nicht bezahlen kann, weil alles so teuer ist und die Rente nicht reicht oder die Alleinerziehende, die den Kindern nichts zu Weihnachten schenken kann, weil der Umzug so teuer war, das wird gern übersehen.

Ja, jetzt werden Sie sagen: Es gibt doch soviel Unterstützung!

Natürlich im Behördendschungel Deutschland gibt es das. Man muss nur wissen, WAS und WO und vor allem WIE!

Und natürlich gibt es auch vom Landkreis und den Städten und Gemeinden Unterstützung. Aber... wie so vieles entscheiden Dritte selektiv über die Zuteilung. Und nach welchen Kriterien das ausgesucht wird, ist wohl eher eine persönliche, denn eine menschliche Entscheidung.

 

Es gibt sie aber auch die Ausgrenzung im sozialen Bereich. Wenn gerade Frauen untereinander die Singlemom als Feindbild für die eigene Beziehung betrachten. Nicht der MANN ist der Verursacher, der sich an die Singlemom heranmachen KÖNNTE, sondern die Singlemom, die nicht in Sack und Asche verhüllt herumläuft. SIE ist die Gefahr für alle liierten Frauen! Verschwindet vom Planeten ihr Singlefrauen und lasst uns liierte und gut versorgte Frauen in Ruhe unseren Traum vom Glück leben, in der Illusion, dass wir so unsere Männer davor bewahren können vom Pfad der Tugend abzuweichen.

Ja, genau.

Und was, wenn ihr dann doch mal zu uns Singlefrauen kommt, weil der liebe tolle Mann doch aus der Beziehung raus ist und sei es nur durch den eigenen Tod? Dann steht ihr da. Und seid plötzlich auch allein. Und würdet euch sehr freuen, NICHT ausgegrenzt zu werden. Aber da euch das natürlich nicht passieren wird, macht ruhig so weiter. Grenzt aus, diskriminiert und tut dann auch so, als ob ihr das gar nicht verstehen könnt, dass diese Frau noch allein ist. Ich meine, die meisten Frauen, die allein sind, sind gar nicht mal auf Partnersuche! Haha, jetzt seid ihr aber überrascht!! Man kann tatsächlich leben und überleben OHNE Mann an der Seite. Männer, seid tapfer, es geht! Ihr Spermaverschleuderer und Egomanen, eine Frau kann ohne euch überleben.

Wobei, es gibt auch nette, sympatische.

Selten, aber kommt vor. Und wenn ihr euch jetzt darüber aufregt, dann gehört IHR schon mal nicht dazu :-)

Okay, wir Singlefrauen - ob MIT oder OHNE Kinder - wir suchen keinen Partner, wir suchen GESELLSCHAFT, Kontakt, Gespräche, gemeinsame Unternehmungen. Wir wollen nur dazugehören.

Schließlich befinden wir uns nicht auf der Arche Noah, wo alles nur Paarweise drauf durfte. Und seien wir doch mal ehrlich, wäre die Arche Noah heute noch zeitgemäß?

Warum denn  nur Paarweise? Damit sich die Tiere darauf vermehren konnten.

Da waren keine schwulen Elefanten oder Singlegiraffen zulässig.

Nachdem sich die Zeiten jedoch geändert haben und es wirklich nicht so aussieht, als ob die Weltbevölkerung ausstirbt, bin ich mir ziemlich sicher, dass man heute auch Alleinstehende akzeptieren kann.

 

Was muss sich also ändern?

 

Auf meinen Beitrag hin meldeten sich unglaublich viele Herren. DIE haben aus dem Beitrag herausgehört, dass die arme Frau nur einen Partner benötigt, und dann ist sie gerettet.

Und ihr Herren, wisst ihr warum ihr noch Singlemänner seid? Weil ihr so denkt.

Ihr haltet euch für so wichtig und unersetzlich, dass es keine Frau wirklich mit euch aushält.

Wenn ihr ein wenig mehr nachdenken und besser zuhören würdet, dann würdet ihr verstehen, dass man Probleme nicht einfach wegfi..... kann. Sinn kann nicht sein, dass man als Frau nur MIT Partner akzeptiert wird. Sinn muss sein, dass JEDER, egal ob mit oder ohne und welcher Art Partner, akzeptiert und gesellschaftlich einbezogen wird.

DAS war die Losung des Beitrags.

 

Also, wenn ihr tolerant sein wollt, dann guckt mal, wie eure Umgebung so aussieht, wo ihr helfen könnt, wo ihr bislang lieber weggeguckt und euch blind und taub gestellt habt. Hinterfragt einmal, warum ihr manche Menschen ausgrenzt und ihr Frauen, hinterfragt mal, warum ihr soviel Angst vor uns Singlemoms habt und wo die Probleme wirklich liegen.

 

In diesem Sinne... schönen Sonntag!